Dates

Das neue Kuratoren-Team der NMR hat sich entschlossen das Konzertprogramm der Saison 2016/17 dem Philosophen René Descartes zu widmen. In seinen sechs ursprünglichen Passionen der Seele handelt der Philosoph die Beweggründe des Menschen als Individuum ab. So ist die „Ursache der Passionen der Seele nichts anderes als die Erregung, der Spiritus“ und Grundlage jedes künstlerischen Schaffens.

Wir haben sieben KünstlerInnen beauftragt musikalische Grundlagenforschung nach Descartes zu betreiben: „Dafür ist es nötig, ihre Quellen zu untersuchen und ihre ersten Ursachen zu prüfen.“

(Wohlers, Christian (Hamburg, 2014): René Descartes.Die Passion der Seele.Zweiter Teil, S.37, Artikel 51. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2014)

 


 

18. September 2016 – Freude – Judith Ferstl

Für Descartes scheint die Ursache der Freude sehr simpel: ‘Glaubt die Seele, ein Gut zu besitzen, empfindet sie Freude.’

Diese Theorie lässt sich anderen gegenüberstellen, naheliegend ist der Vergleich mit Erich Fromm, der die Freude als ‘Grundstimmung, die das Sein begleitet’ betrachtet und als Kontrapunkt zum Vergnügen sieht, welches vom Haben-Wollen genährt wird.

‘Freude ist nicht die Ekstase, das Feuer des Augenblicks, sondern die Glut, die dem Sein innewohnt.’ schreibt Fromm und eröffnet damit einen spannenden Diskurs.

Juneberry

Lucia Leena – Stimme

Judith Ferstl – Kontrabass

+ Daniel Lercher – Elektronik

 


 

2. Oktober 2016 – Traurigkeit – Hannes Dufek

die Welt ist erfülltvon Geschichten, von Menschen, von Hoffnungen

von deren Leere

und von vielen kleinen und einer großen Traurigkeit,

manchmal

wir schreiben aber: eine Würdigung

ein Lob der Empfindungsfähigkeit

ein Hohelied auf das Menschsein

und all die Akte der Akzeptanz, des Durchhaltens, des aufrechten Ganges

angesichts jener

so vollen, und manchmal so traurigen

Welt

 

Hannes Dufek – Tasten

Gloria Damijan – Toy-Piano

Michael Franz Woels – Berimbao, Percussion

Gobi Drab – Blockflöten

 


 

6. November 2016 – Liebe – Radu Malfatti

Das Duo „perros sin leine“ von Radu Malfatti (Bass-Harmonica) und Philipp Schmickl (words) kurz nach der Freundschaft aufgrund sich überschneidender und ergänzender Haltung zu Musik und Gesellschaft gegründet, beschäftigt sich in erster Linie mit dem Phänomen der leisen, unaufgeregten Haltung gegenüber der heutigen allgemeinen Kulturlandschaft, die immer noch das lauter, höher, schneller als Prämisse der Handlungen quasi vorschreibt.

Unsere Haltung entspricht der Vorgabe, dass der Natur der einzelnen Parameter (Klang und Worte) nichts hinzugefügt werden muss, um sie „interessanter“ zu machen als sie ohnehin schon sind.

Das Ergebnis ist eine fröhliche Gelassenheit in der Improvisation mit klang und text und somit ein wichtiger Beitrag zur – von dem ursprünglichen sinn der reinen Avantgarde abgeleiteten denken und handeln – kritischen Auseinandersetzung mit der (nicht nur künstlerischen) kulturellen Umwelt.

Radu Malfatti – Bassharmonika

Philipp Schmickl – Lesung

 


 

5. März 2017 – Hass – Angelica Castelló

don’t hate me because I’m fabulous

La haine aveugle n’est pas sourde

(Pierre Desproges)

Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Hatred is a very underestimated emotion

(Jim Morrison)

I hate you, I hate you, oh my god, I love you

(Kurt Cobain)

Don’t hate me because I’m fabulous

(Prince)

 

Angelica Castelló –  Paetzolds, Tapes, Elektronik und Konzept

Isabelle Duthoit – Stimme, Klarinette

 


 

2. April 2017 – Verwunderung – Veronika Mayer

„Das Verwundern ist eine plötzliche Überraschung der Seele [und] entsteht also zuerst durch den Eindruck im Gehirn, den Gegenstand als selten und deshalb der sorgsamen Betrachtung werth darstellt; […].“ (René Descartes, Die Leidenschaften der Seele, Teil II, Artikel 70)

Die Verwunderung als erste Gefühlsregung der Seele, die bei Entdeckung und Betrachtung von Unbekanntem noch keine Wertung vornimmt, ist verbunden mit einer Haltung der Offenheit und der Neugier. Dieses Wertfreie, Vorurteilsfreie, vielleicht sogar Ursprüngliche, ist zutiefst wertvoll und beinhaltet eine Fähigkeit zu Überraschung und Staunen, die heutzutage bewusster wahrgenommen und auch geübt werden sollte.

In der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Verwunderung nach René Descartes werden 2 Musikerinnen anhand kompositorischer Konzepte miteinander experimentieren, die Verwunderung suchen, aber auch der Frage nachgehen, ob es eine kollektive Verwunderung gibt. Musikalische Resultate, die im Laufe dieses Prozesses entstehen, sind zum Zeitpunkt des Konzerts dem Stadium der Verwunderung eventuell bereits entwachsen. Es gilt aber eine künstlerische Form zu finden, die weiterhin Überraschungen bereithält, die nicht vorgefestigt ist, die immer wieder aufs Neue Verwunderung auslösen kann.

Veronika Mayer – Elektronik

Caroline Mayrhofer – Blockflöten

 


 

21. Mai 2017 – Begierde – Tamara Friebel

I. The stars are still in your eyes.

II. Warmth

III. Exquisite Loneliness, Breathe.

Libretto & Composition with Video by Tamara Friebel

an opera of two voices looking for home, in Vienna, through a past in Japan…..

A re-enacted Tea ceremony, an opera of three acts with Kaoko Amano (soprano) in St. Ruprechts Church.

This opera project has premiered as partial excerpts in Wien Modern (2013), Radiokulturhaus(2015), Minoritensaal Graz (2015) and this performance will bring the three parts together for the first time.

It follows the journey of longing to find a home in a “new world” where the process of  trying to integrate the memories of the past with the new often questions what is dream and what is reality. This is enacted through the soprano, Kaoko Amano, who brings together the heritages of both the near distant Japanese past and the local reality in Austria.

Tamara Friebel – Komposition, Elektronik

Kaoko Amano – Sopran

Gobi Drab – Blockflöten

 


 

4. Juni 2017 – PHOEN – Les passion de l’âme

Als letztes Konzert in dem Zyklus „les passions de l’ame“ im Rahmen von „Neue Musik in St.Ruprecht“ 2016/17 fasst das Saxophonquartett PHOEN die zuvor interpretierten 6 Leidenschaften zusammen und lässt den Zuhörer einen Überblick seiner Emotionen erfahren. Das Ensemble wird versuchen, musikalisch diese Gemütszustände im Publikum anzuregen, und in ihnen zu verweilen.

Dabei folgt es der von Descartes vorgegebenen logischen Reihenfolge (Verwunderung, Liebe, Hass, Traurigkeit, Freude, Begierde) und nimmt bei der Vertonung Bezug auf die von ihm damit verbundenen körperlichen Wahrnehmungen und Pulsangaben.

Das Saxophon ist in seinen Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme sehr nahe und eignet sich daher besonders gut, um der Bandbreite der menschlichen Emotionen Ausdruck zu verleihen.

Als musikalische Gestaltungsprinzipien kommen Improvisationen, Improvisationskonzepte und Kompositionen zur Anwendung. Da Emotionen und Leidenschaften sowohl vom Einzelnen als auch in der Gruppe wahrgenommen werden, beziehungsweise sich vom Einzelnen auf eine Gruppe übertragen können, wechseln sich dabei solistische mit kollektiven Passagen ab.

Die räumlichen und akustischen Gegebenheiten der St. Ruprechtskirche werden von PHOEN in das Konzept eingebunden und erforscht.

PHOEN

Christoph Pepe Auer, Viola Falb, Florian Fennes, Arnold Zamarin – Saxophone