Dates

makebelieve. an analysis of illusion

Für die Saison 2017/18 wurden Projekte gesucht, welche die Grenzen unserer Wahrnehmungsebenen verschwimmen lassen. Mittels „analysis of illusion“ sind die Ausführenden aufgefordert, dem Publikum ein Phänomen erfahrbar zu machen, welches unseren gesamten Alltag bestimmt ohne jemals selbst bemerkt zu werden: der Glaube an die eigene Wahrnehmung.

Das Kuratoren-Team der Neuen Musik St.Ruprecht hat Projekte zusammengefasst, welche interdisziplinär arbeiten und dem Publikum somit neue Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnen können.

 


 

05. November 2017 – floating stones

Auf ein rotierendes Arrangement von Papierobjekten (Steine im Maßstab 1:10 vergrößert) werden in steter Überblendung Fotos von Steinoberflächen projiziert.

Dazu wird ein Scheit gespielt – ein einsaitiges Instrument mit verschiebbarem Tonabnehmer und mechanischen Filtern mit einer Fülle an spektralen Variationen.

Ergänzt wird das Scheit durch ein computergeneriertes Saitenmodell (Programmierung: Günther Rabl), um eine Erweiterung in ansonsten unmögliche Spektren zu ermöglichen.

„langsame, gleichbleibende Rotation der Papierobjekte / unverändertes Tempo der Überblendungen / mannigfache metrische und rhythmische Überlagerungen /  stete Wahrnehmungsbeeinflussung durch Farbigkeit und Muster (Sprenkelung) der Steine sowie Farbigkeiten des Saitenspektrums“

Hannes Ludescher

Martin Gut

 


 

18. März 2018 – Slices of Life

Slices of Life für Violine, Elektronik und Video (2016-17)

Slices of Life (2015/16) ist ein Kunstwerk, das Barbara Lüneburg im Rahmen des künstlerischen Forschungspro-jektes TransCoding | What if unter Einbezug einer Online-Community kreierte. Das Thema ist “Identität” und die vielen Facetten, die Identität im Leben annehmen kann. Die Forschungsfrage war, ob Menschen über Social media dazu angeregt werden können, zur Entstehung eines Multimediakunstwerkes aktiv beizutragen, und was das mit der Kunst, der Künstlerin und den Communitymitgliedern macht. Bild, Text und Sprachmaterial für die Show rührt zum großen Teil von der Beiträgen der Community von what-ifblog.net, die über Calls for Entry dazu animiert wurde, für sich selbst und für What if kreativ zu werden. So heteregon wie die Mitglieder aus 130 Ländern sind die “Slices of Life”, die erzählt werden.

Video, Komposition und Violine:

Barbara Lüneburg

 

STEINA für Violine und live-geneirete Elektronik, Video und Lasergraphik

von Marko Ciciliani (2015)

In STEINA verwendet Marko Ciciliani unterschiedliche Medien: eine Violine, elektronische Klanggenerierung, Video und Laser. Letzteres ist ein Medium, das meist als Spektakel verwendet wird. In Steina – der Titel bezieht sich übrigens auf die Violinistin und Pionierin der frühen Videokunst Steina Vasulka – wird es in einer subtileren Weise, eher als eine Art live-generierter Zeichnung, verwendet. Was Ciciliani an Laser fasziniert ist, dass es eine beinahe schon körperliche Qualität hat. Selbst wenn es nur zweidimensional auf eine Wand projiziert wird, erweckt es oft den Drang, es anfassen zu wollen.
Davon ausgehend, hat Ciciliani auch in den anderen Medien Varianten der Körperlichkeit thematisiert. In der Stimme der Violine wird diese in manchen extremen Spieltechniken spürbar, wie extrem hohen Lagen, oder scharf angerissenen extrem kurzen Noten. Jenseits des schönen Tons – der als wiederum zeichnendes Element im Stück auch eine sehr prominente Rolle spielt – ist hier die Materialität und Körperlichkeit des Instruments besonders deutlich zu spüren. Die Rauigkeit und Brüchigkeit des Klangs, die dabei entsteht, findet sich auch in der Synthese wieder, in der verschiedene chaotische Oszillatoren (Lorenz ‘strange Attractor’ Funktion und Gingerbreadman map) zum Einsatz kommen, die in sich zu Instabilität neigen.
Das Video hat wiederum einen eher gemäldeartigen Charakter. Durch eine Fläche fressen sich unregelmässige Linien. Sowohl beim Video, als auch beim Laser dient aber auch der Körper der Violinistin als Vorlage – beim Video für die Gestaltung der genannten Linien und beim Video in Form von Konturen, die während der Aufführung über eine Kamera eingelesen werden.

Es wurde nicht nach einer homogenen Verschmelzung der unterschiedlichen Medien gesucht. Auch wenn sie alle um die gleichen Interessen kreisen, bleiben sie autonom und reiben sich zuweilen auch aneinander. Sie wirken aber auch als ein Ensemble, das den Raum strukturiert, in dem die Violinistin verschiedene Positionen einnimmt.

Marko Ciciliani, PhD

 


 

15. April 2018 – Disputable divas

… eine Hommage an die weiblichen Stimmen in der zeitgenössischen Musik.

Die Sängerin in der zeitgenössischen Musik – geschundenes Geschöpf, missverstandenes „Instrument“ oder einfach nur ein Freak? Es lässt sich nicht leugnen, dass die zeitgenössische Musik auch ihre InterpretInnen verändert, und das gilt auch und insbesondere für Sängerinnen. Was ist vom Image der „Diva“ des 19. Jahrhunderts heute übrig geblieben?

Dies Projekt lässt die „Diven“ der neuen Musik zu Wort kommen – Cathy Berberian, Joan La Barbara, Carla Henius und Andere – die sich als Pionierinnen der zeitgenössischen Vokaltechnik neues Repertoire und damit auch ein neues Selbstbild erkämpft haben. Das Programm verknüpft autobiografische Texte und Kompositionen für (weibliche) Stimme und Instrumente, die sich spezifisch mit neuen Vokaltechniken auseinandersetzen. Alle Neukompositionen entstehen in enger Zusammenarbeit zwischen Interpretin und Komponistinnen, als eine persönliche Suche und Forschungsarbeit, die sowohl sängerische Individualität als auch musikalische Grenzen im Bereich zwischen Improvisation, Performance und Komposition neu ausloten.

„Denen, die sich elitär dünken, erscheint man als Barbar und den Barbaren (die in die Fiktion, sie wären es, allmählich real hineingewachsen sind) als elitär. Und wenn man zu demonstrieren versucht, daß es sich auch bei den neuesten Entwicklungen immer noch um Musik und nicht um deren Destruktion handelt, wird man von links dafür gescholten, während es einem von rechts nicht geglaubt wird.“

(Carla Henius)

Programm :

Joan La Barbara: Circular Song ÖEA
Elisabeth Harnik: Komposition für Stimme, Bassklarinette und Kontrabass UA 2017 Judith Unterpertinger: Komposition für Stimme und Tonband UA 2017
Marcela Lucatelli – Komposition für Stimme, Kontrabass und Elektronik UA 2017 Claudia Cervenca – Komposition für Stimme (2017)
Kollektiv-Improvisation des gesamten Ensembles

Claudia Cervenca – Stimme, Rezitation

Szilard Benes – Klarinette/Bassklarinette

Margarethe Maierhofer-Lischka – Kontrabass

Peter Venus – Klangregie, Technik

 


 

06. May 2018 – IN LUDUS + Dialogue #002 (Doppelkonzert!)

IN LUDUS 

ist ein Transparenzkonzert aus Ton, Wasser und Licht. Ein Piano befindet sich im Zentrum der Kirchen-Apsis. Die Tastatur ist geschlossen, während das Korpus aufgedeckt ist, und den Blick auf die Klaviersaiten freigibt. 33 transparente Nylonfäden werden quer durch den Kirchenraum gespannt und sind mit den Klaviersaiten verbunden.

Die Nylonfäden, und somit das Klavier werden von der Performerin mit nassen Händen gespielt – „mit zarten und subtilen Handbewegungen wie ein unwillkürlicher Butoh Tanz, rückwärts von der Kirchen-Apsis zum Eingang, entlang des zentralen Kirchenschiffs.“

Lichter, welche auf das Wasser konzentriert werden, schaffen zarte und bewegte Reflexionen auf im Kirchenraum und auf den darin befindlichen Objekten.

Lateinische “Illusion” Etymologie bedeutet “in-ludus”, d.h. ins Spiel zu kommen (ludus). Der Titel bezieht sich auch auf ein mittelalterliches liturgisches Drama namens “ludus” (z. B. Ludus Danielis), einer heiligen Vorstellung, die sich mit Leben und Tod beschäftigt.

Elena Gighas – Präpariertes Klavier

 

Dialogue #002
Im Mittelpunkt des Dialogs # 002 steht die Vorstellung von Tanz und Musik als Sprachen.

Dialogue #002 Will die Verkörperung der Interaktionen sein, die zwischen Tanz und Musik auftreten können, indem sie die jeweiligen (choreografischen und musikalen) Improvisations-Toolboxen erforschen. Es will sichtbar machen, wie die beiden Kunstformen in Kontakt kommen, um ein Ganzes zu produzieren. Ein Dialog ist ein Austausch zwischen zwei Parteien. Beide können als separate Entitäten existieren, aber aus der Interaktion miteinander gewinnen. So muss ein Dialog nicht rein und ausschließlich auf Sprache bezogen sein, sondern auch in einer breiteren Sicht als interdisziplinäre (und transpersonale) Praxis betrachtet werden. Als eine Partei aktiv auf die andere hört, entsteht Bewegung oder Musik als Antwort darauf. Der Fokus der Aufführung ist diese Aufmerksamkeit auf das, was der andere ausdrückt.

Katja Vaghi – Tanz

Christian Wolfarth – Perkussion

 


 

03. Juni 2018 – Shepard

Die Shepard skala ist ein psychoakustisches Experiment des Psychologen Roger Shepard, bei dem die Illusion einer undendlich ansteigenden oder abfallenden Tonleiter kreiert wird.

Dies entsteht durch eine Anzahl von sinustönen,  die in der Frequenz langsam ansteigen bzw. abnehmen und durch zeitlich  versetztes An- und Absteigen der Lautstärke spiralförmig zueinander abwechseln.

Nun wird dieses Phänomen auf eine rhetorische, sprachliche Ebene umgesetzt und damit die Illusion eines sich ständig intensivierenden Redens zu erzeugt.

Im Zeitalter der alternativen Fakten, wo Inhalte mehr durch ihre emotionale Aufladung als durch ihren Wahrheitsgehalt greifen, scheint die Shepard-Skala bereits eine gebräuchliche Tonleiter auf der Klaviatur populistischer Rhetorik geworden zu sein.

Zwei eigens hierfür geschrieben Texte werden von 2 Schauspielerinnen dargeboten die sich im Raum bewegen und von der Shepard-Skala begleitet werden.

Christine Schörkhuber

Line up – tba

 


 

Vergangene Konzerte:

 

10. September 2017 – WOMEN of SUBSTANCE

a Duo for Bassoon and Bassclarinet / Tenor Saxophone / Painter

Für das Eröffnungskonzert dieser interdisziplinären Saison treffen Malerei, Musik, Literatur und Improvisation aufeinander. Elisabeth Kelvin wird eine liegende, 1×2 Meter große Leinwand bemalen während Lorelei Dowling im entstehenden Gemälde spielen wird. Das Geschehen wird aus der Vogelperspektive in den Raum projiziert und somit aus mehreren Perspektiven gleichzeitig wahrnehmbar.

Zu Malerei, Musik und Performance gesellt sich die Literatur von Jorge Luis Borges und all dies wird mit der Musik des Renaissance-Komponisten Michelangelo Falvetti kollidieren – wir sind gespannt!

Lorelei Dowling – Bassoon

Elisabeth Kelvin – Bassclarinet / Tenor Saxophone / Painter

 


 

08. Oktober 2017 – chymische Hochzeit 

Die chymische Hochzeit stellt die Vereinigung von männlich und weiblich in einer Person dar. Der Versuch der Alchemisten, dadurch die Antwort im Kern zu finden, alles mit allem in Verbindung zu setzen und so zur Lösung zu gelangen wird bei diesem Projekt durch Musik, Tanz und Bild dargestellt. Der Wunsch durch die Analyse der Illusion zur Einheit und zum Ursprung zu gelangen ist ein Motor des Glaubens; daher der sakrale Raum.

Bei der Performance “chymische Hochzeit” (die Thematik wurde bereits in Gottfried von Einems Oper „Jesu Hochzeit“ vortrefflich verarbeitet) atmet, lauscht, sieht und fühlt das Publikum im Körper des Ensembles mit bis es die ungemütlichen Kirchenbänke vergessen hat. Denn an diesem Abend wird die Kirche mit ihrer sakralen Atmosphäre und ihrem Raumklang zum Ensemblemitglied.

Das Ensemble wird die meditative Stimmung und die wunderbare Raumakustik des sakralen Raumes nutzen, der Raum selbst wird als fünftes Ensemblemitglied behutsam begrüßt und rein akustisch bedient.

STRINQUANTET:

Simon Frick – Violine

Judith Reiter – Viola

Maria Frodl – Violoncello

Thomas Stempkowski – Kontrabass

Gast: Andrea Nagl – Tanz-Performance